Fraud, Fake and Fame — Goldrausch 2016

St. Johannes-Evangelist
Auguststraße 90, 10117 Berlin

Dokumentation

Interiors von 2016 Stefanie Kägi (Mitte des Bildes), Jet, 2011 (ongoing) von Bas | Bas Backer (dahinter) Foto: Petra Spielhagen
Interiors von 2016 Stefanie Kägi (äußerster Rand rechts vorne), Gelegte Gelochte I, 2016, Gelegte Gelochte II, 2016, Schnell, Schnell, Menthol Hell, 2016 von Elisa Ewert (Skulpturen auf dem Boden, Mitte des Bildes), Jet, 2011 (ongoing) von Bas | Bas Backer (Hintergrund), Rike Horb (Bodeninstallation im Hintergrund) Foto: Petra Spielhagen
Gelegte Gelochte I, 2016, Gelegte Gelochte II, 2016, Schnell, Schnell, Menthol Hell, 2016 von Elisa Ewert (Skulpturen auf dem Boden, vorne), Jet, 2011 (ongoing) von Bas | Bas Backer (Mitte des Bildes), concrete and bricks, 2016, von Rike Horb (Bodeninstallation im Hintergrund) Foto: Petra Spielhagen
Jet, 2011 (ongoing) von Bas | Bas Backer (im Vordergrund), The Importance of Possibilities, 2016 von Andrea Acosta (links im Hintergrund), Untitled (antlers), 2015 / 2016 (ongoing) von Kirstin Burckhardt (rechts im Hintergrund), Gelegte Gelochte I, 2016, Gelegte Gelochte II, 2016, Schnell, Schnell, Menthol Hell, 2016 von Elisa Ewert (Skulpturen auf dem Boden), Interiors von 2016 Stefanie Kägi (äußerster Rand rechts) Foto: Petra Spielhagen
Interiors von 2016 Stefanie Kägi (äußerster Rand rechts vorne), Gelegte Gelochte I, 2016, Gelegte Gelochte II, 2016, Schnell, Schnell, Menthol Hell, 2016 von Elisa Ewert (Skulpturen auf dem Boden, Mitte des Bildes), Jet, 2011 (ongoing) von Bas | Bas Backer (Hintergrund), Rike Horb (Bodeninstallation im Hintergrund) Foto: Petra Spielhagen
concrete and bricks, 2016, von Rike Horb (Bodeninstallation Mitte des Bildes), Jet, 2011 (ongoing) von Bas | Bas Backer (rechter äußerer Rand), Song to the Siren, 2016 von Anna Steinert (Hintergrund) Foto: Petra Spielhagen
concrete and bricks, 2016, von Rike Horb (Bodeninstallation), Show of Strength, 2016 von Alanna Lynch (Hintergrund links), Song to the Siren, 2016 von Anna Steinert (Hintergrund rechts) Foto: Petra Spielhagen
Gelegte Gelochte I, 2016, Gelegte Gelochte II, 2016, Schnell, Schnell, Menthol Hell, 2016 von Elisa Ewert (Skulpturen auf dem Boden, Mitte des Bildes), Song to the Siren, 2016 von Anna Steinert, The Importance of Possibilities, 2016 von Andrea Acosta, Flüchtiges Lineament (Lauftext), 2016 von Birte Endrejat, Untitled (antlers), 2015 / 2016 (ongoing) von Kirstin Burckhardt (im Hintegrund von links nach rechts), Kurt, 2016 von Bas | Bas Backer (Empore) Foto: Petra Spielhagen
Interiors von 2016 Stefanie Kägi (äußerster Rand links vorne), Gelegte Gelochte I, 2016, Gelegte Gelochte II, 2016, Schnell, Schnell, Menthol Hell, 2016 von Elisa Ewert (Skulpturen auf dem Boden, Mitte des Bildes), Jet, 2011 (ongoing) von Bas | Bas Backer (Mitte des Bildes), concrete and bricks, 2016, von Rike Horb (Bodeninstallation rechts im Hintergrund) Foto: Petra Spielhagen

Andrea Acosta

Exercises in Possibility

Textbeitrag: Denise Buraye Filipets
Gestaltung: MüllerValentini GbR
16 Seiten, 17 Abbildungen

Lucie Biloshytskyy

Cloud Voyage

Textbeitrag: Enno Schramm
Gestaltung: Andreas Dimmler Graphikdesign
16 Seiten, 96 Abbildungen

Joris Bas Backer

mates

Textbeitrag: Joris Bas Backer, Powerpaola
Gestaltung: Dana Krusche
16 Seiten, 4 Comics

Kirstin Burckhardt

Untitled (antlers)

Textbeitrag: Marius Henderson
Gestaltung: Muriel Serf, MM, M
16 Seiten, 12 Abbildungen

Dania Burger

Mania

Textbeitrag: Annette Scheld, Dania Burger
Gestaltung: Bailey und Bailey GbR
16 Seiten, 13 Abbildungen

Elisa Ewert

Textbeitrag: Elisa Ewert
Gestaltung: Claire Chéry
16 Seiten, 10 Abbildungen

Ulrike Hannemann

Drift

Textbeitrag: Ruth Horak
Gestaltung: ZENTRUMWEST
16 Seiten, 20 Abbildungen

Rike Horb

Album

Textbeitrag: Rike Horb
Gestaltung: Matthias Hübner, Rike Horb
16 Seiten, 24 Abbildungen

Fünf Fragen an …

Andrea Acosta, Künstlerin für Zeichnung und Installation

Andrea Acosta stammt aus der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá. Ihren Bachelor of Fine Arts erwarb sie 2005 an der Universidad de los Andes in Bogotá, ihren Master of Fine Arts 2008 in Kunst im öffentlichen Raum und neue künstlerische Strategien an der Bauhaus-Universität in Weimar. Seit vier Jahren lebt und arbeitet sie in Berlin. Einzelausstellungen hatte sie u.a. in LA Galería, Bogotá (2013), im Sala Rekalde, Bilbao (2014) und bei Contexts, Paris (2015).

Womit beschäftigst Du Dich in Deiner künstlerischen Arbeit?

Ich erforsche den urbanen Raum und denke ihn in Zeichnungen um. Mich interessieren vergessene Orte, aber auch solche, die bereits vertraut scheinen. Als Ausgangspunkt meiner Arbeiten erkunde ich zunächst einen Ort und stimme mich auf ihn ein. Ich versuche ihn zu verstehen, indem ich kontextuelle und historische Materialien sammle, die ich mit meinen eigenen Eindrücken verbinde. Mein Medium ist die Zeichnung, manchmal arbeite ich aber auch mit Fotografie und gefundenen Objekten.

Was möchtest Du mit Deiner Kunst bewirken?
Ich würde gerne verändern, wie Menschen Orte wahrnehmen. Ich möchte Dinge sichtbar machen, mit denen wir leben, die wir aber oft übersehen. Einen Ort in der Gegenwart neu zu denken, betrachte ich als ein Mittel, eine Stadt der Zu- kunft zu konstruieren.

Woran arbeitest Du aktuell?
Im Moment arbeite ich an einem Vorschlag für einen Kunstwettbewerb im öffentlichen Raum. Es geht um ein Wandkunstwerk in der Pariser Metrostation Château Rouge, das für die nächsten 30 Jahre installiert werden soll.

Mit welchem anderen Künstler / welcher anderen Künstlerin würdest Du gerne einmal zusammenarbeiten?
Lara Almarcegui interessiert mich sehr. 2013 hat sie den spanischen Pavillon der Venedig Biennale bespielt und dort Berge aus Baumaterial aufgeschüttet. Sie arbeitet ortsspezifisch und kontextbezogen, wie ich übersetzt sie Räume in eine andere Form, um eine andere Perspektive zu vermitteln.

Interview: Beate Scheder Foto: Sabrina Acosta

Stefanie Kägi

Haptic Sights

Textbeitrag: Yasmin Afschar
Gestaltung: Land April
16 Seiten, 15 Abbildun

Fünf Fragen an …

Joris Bas Backer, Jahrgang 1981, Comiczeichner

Joris Bas Backer ist 1981 in Den Haag geboren. Er studierte an der Gerrit Rietveld Academie, Amsterdam und der Rhode Island School of Design. Seit 2003 lebt und arbeitet er in Berlin. Er ist Gründungsmitglied von Chicks on Comics, einem transatlantischen Kollektiv von Comiczeichnerinnen in Europa und Südamerika. Gemeinsam mit seinem Freund zeichnet er den Webcomic Familienjuwelen.

Womit beschäftigst du dich in deiner künstlerischen Arbeit?

Als Comiczeichner beobachte ich viel und beschäftige mich mit Dingen, die mir in meinem Leben auffallen, Zwischenmenschliches, Gefühle. In letzter Zeit ging es oft um Geschlechterrollen und Identität. Es fängt immer damit an, dass ich etwas kommunizieren will, ein Gefühl zum Beispiel. Es ist wie ein Puzzle, wenn ich mir überlege, wie ich das vermitteln kann. Das Narrative ist dafür ein wunderbares Werkzeug.

Was möchtest du mit deiner Kunst bewirken?

Ich hoffe, Menschen berühren und bewegen zu können und sie mit neuen Themen bekannt zu machen. Oft ist das, was ich tue, auch ein
Experimentieren. Da geht es um den inneren Prozess, mich in meiner Arbeit weiterzuentwickeln und neue Wege zu entdecken.

Was inspiriert dich?

Meine Kollegen inspirieren mich sehr. Andere Comiczeichner machen tolle Arbeit und ich liebe es, zu sehen, wie sie arbeiten und mich mit ihnen auszutauschen. Ich höre auch gerne Podcasts von Comiczeichnern. Abgesehen von Comics fasziniert mich alles, was im weitesten Sinne mit Zeichnungen zu tun hat, weil es entweder mit Bleistift gemacht ist oder linear aufgebaut ist.

Wie arbeitest du?

Bevor ich zeichne, scripte ich am Rechner und mache Thumbnails von Seiten oder von Panels, die ich auf Seiten zusammensetze. Dann arbeite ich diese nach einer skizzierten Seite aus. Meist ist der Text vor den Bildern da. Er ist aber nicht fix, oft muss ich meine noch Dialoge verändern. Ich editiere viel, um den richtigen Erzählrhythmus zu finden.

Interview: Beate Scheder Zeichnung: Joris Bas Backer

Fünf Fragen an …

Lucie Biloshytskyy, Jahrgang 1986, Installations- und Videokünstlerin

Lucie Biloshytskyy ist 1986 in Berlin geboren und hat an den Kunsthochschulen in Toulouse und in Braunschweig bei Candice Breitz studiert. Von 2012 bis 2014 war sie Vorsitzende des Kunstverein Jahnstrasse e. V. Sie lebt und arbeitet in Berlin.

Womit beschäftigst Du Dich in Deiner künstlerischen Arbeit?

Ich interessiere mich sehr für das World Wide Web, wie es den Wert von Arbeit beeinflusst und wie es eine Erweiterung des öffentlichen Raumes darstellt. Für meine Arbeiten dient es mir außerdem als Materialkammer. Zum Beispiel in meiner LED-Animation Drowning Girl: Für diese habe ich um das gleichnamige Bild von Roy Lichtenstein wieder Stories gebaut, genauer gesagt einen Film. Ich habe im WWWW Comicbilder herausgesucht, die im gleichen Stil sind und so den Comic wieder zusammengesetzt, den Roy Lichtenstein mit seinem Bild separiert hat.

Was möchtest Du persönlich mit dem Goldrausch-Künstlerinnenprojekt erreichen?

Wachsen. Ich habe neulich über das Wort Erwachsenwerden nachgedacht und darüber, dass man immer weiter wächst. Das Schöne bei Goldrausch ist ja, dass man eine Gruppe hat, mit der man zusammenwächst, aber auch an den Aufgaben wächst.

Was macht heute eine gute Künstlerin aus?

Eine Zeit lang habe ich den Kunstverein Jahnstraße geleitet und hatte so das Glück schon einmal in der anderen Position zu sitzen, als Jury. Mich hat immer überzeugt, wenn jemand an etwas konsequent arbeitet, so dass ein Gefühl von Dringlichkeit rüberkommt.

Woran arbeitest Du aktuell?

Mithilfe von Google-Bildern versuche ich, eine meiner Reisen im Internet wiederzufinden. Ich war in Indonesien und habe selbst keine Fotos gemacht. In der Arbeit suche ich nach dem Eigenen in fremden Bildern, beschäftige mich mit der Bilderflut im Internet und der Frage nach der heutigen Funktion von Bildern.

Interview: Beate Scheder Foto: Johannes Ippen

Fünf Fragen an …

Kirstin Burckhardt, Jahrgang 1986, Installations- und Performancekünstlerin

Kirstin Burckhardt ist in Südafrika geboren. Sie studierte an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg sowie an der China Academy of Art Hangzhou und der École Nationale Supérieure des Beaux-Arts de Lyon. Parallel zu ihrem Diplom in freier Kunst erwarb sie einen Bachelor und Master in Psychologie an der Universität Hamburg. Ihre Arbeiten war unter anderem in Einzel- und Gruppenausstellungen im Kunstverein Hildesheim (2012), im Hamburger Ausstellungsraum Hinterconti (2014) und im Künstlerhaus im Schlossgarten, Cuxhaven (2015) zu sehen.

Womit beschäftigst Du Dich in Deiner künstlerischen Arbeit?

In China erhielt ich die Meldung auf meinem Handy: „Your current location is temporarily unavailable“. Von diesem Satz aus starten viele meiner Überlegungen, zum Beispiel habe ich an einem strahlenden Sonnentag ein Sommergewitter durch eine Alarmlautsprecheranlage ziehen lassen. Mich interessieren Momente, in denen unsere Sicherheit darüber bröckelt, wo wir uns befinden.

Was inspiriert Dich?

Alles kann bei mir zum Material werden. Das ist meine Beobachtung und meine Überzeugung.

Was möchtest Du persönlich mit dem Goldrausch-Künstlerinnenprojekt erreichen?

Vor allem geht es mir um Austausch. Wir haben großes Glück: Die Gruppe ist fantastisch. Auch ist Goldrausch eine Plattform, um mich damit auseinanderzusetzen, was Sichtbarkeit als Künstlerin bedeutet.

Woran arbeitest Du aktuell?

Haben wir einen Körper oder sind wir ein Körper? Ich schaue mir diese Frage ausgehend vom psychologischen Begriff Body Ownership und der Wahrnehmung von Sicherheit an. Wichtig dabei ist die Empfindung verflüssigter Körpergrenzen, z. B. zeigt sich experimentell immer wieder, dass die alltägliche Wahrnehmung davon, wo ein Körper beginnt oder endet, sehr variabel ist. Aus diesem Rechercheprozess heraus führe ich eine Serie von mehreren hundert Zeichnungen fort und arbeite mit einer Choreographin.

Interview: Beate Scheder Foto: Andrea Becker-Weimann

Dania Burger, Künstlerin für Zeichnung und Installation

Die deutsch-norwegische Künstlerin Dania Burger hat an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg und an der Kunsthochschule in Bergen, Norwegen bei Stefan Dillemuth studiert. Ihre Kunst zeigte sie bereits in internationalen Einzel- und Gruppenausstellungen, u.a. im Haugar Vestfold Kunstmuseum, Tønsberg (E, 2008), bei Galleri RAM, Oslo (E, 2012), Galleri Galleberg, Tønsberg (E, 2014), im Frise Künstlerhaus, Hamburg (2014) und Verdens Ende Kunstfo- rening, Tjøme (2015). Zurzeit lebt und arbeitet sie wieder in Berlin.

Womit beschäftigst Du Dich in Deiner künstlerischen Arbeit?

Ich beschäftige mich zurzeit mit der Demontage von Zeichen, Ornamenten, Mustern und Symbolen und deren Neuinszenierung. In meiner Arbeit Odal Deconstructed zur Ausstellung Vikingmytologier I im Haugar Vestfold Kunstmuseum ging z.B. um die Rune Odal. In Vestfold wurden die großen Wikingerschiffe gefunden. Odal, der Buchstabe O, bedeutet Besitz oder Heimat und ist Teil des Alphabets der Wikinger. Dieses Symbol wurde und wird von den Nazis in mehreren Zusammenhängen missbraucht. In meiner Arbeit hab ich das Symbol dekonstruiert, die geometrische Form abstrahiert und in verschiedenen Medien interpretiert. Ich enteigne die Formen ihrer Botschaft und schaffe eine neue, die meiner Vorstellung von Welt mehr entspricht.

Was möchtest Du persönlich mit dem Goldrausch-Künstlerinnenprojekt erreichen?

Nach 18 Jahren in Norwegen lebe ich zurzeit wieder in Deutschland und muss mich damit auseinandersetzen, wie ich mich als Künstlerin in einem neuen Kontext definiere, positioniere und organisiere.

Was macht heute eine gute Künstlerin aus?

Dass sie relevante, bedeutsame Kunst macht.

Woran arbeitest Du aktuell?

Im Moment entwerfe ich meine eigene Tracht. Fast jeder in Norwegen hat eine Tracht, die sich auf die Herkunft bezieht. Nach 18 Jahren in Norwegen wollte ich auch eine haben und designe sie mir nun selbst, indem ich meine deutsch-nor- wegische und persische Identität kombiniere. Zurzeit bin ich dabei, umfassende Recherche zu betreiben, wie welche Ornamentik entstanden ist und was sie symbolisiert.

Mit welchem anderen Künstler / welcher anderen Künstlerin würdest Du gerne einmal zusammenarbeiten?

Da ich gerade an meiner Tracht arbeite, fallen mir Modedesigner ein, die künstlerisch arbeiten, z. B. Rick Owens oder Michiel Keuper.

Interview: Beate Scheder  Foto: Dorothea Heinrich

Fünf Fragen an …

Birte Endrejat, arbeitet ortsbezogen mit unterschiedlichen Materialien

Birte Endrejat ist in Langen geboren. Sie studierte an der Universität Bremen bei Katharina Hinsberg and Yuji Takeoka, an der Université du Québec à Montréal und bei Hans Haake an der Fondazione Antonio Ratti in Como. 2011 schloss sie ihr Studium in Bremen mit Diplom ab und war im Anschluss Meisterschülerin bei Yuji Takeoka. Seit 2008 ist sie Mitglied der Künstlergruppe mark“. Einzelausstellungen hatte sie zuletzt im Field Institut Hombroich in Neuss und bei Lage Egal in Berlin. Die Künstlerin lebt und arbeitet in Berlin.

Womit beschäftigst Du Dich in Deiner künstlerischen Arbeit?
Ich setze mich mit dem sozialen Raum im gebauten Raum auseinander, vor allem damit, wie Menschen zusammen kommen, welche Übereinkünfte, Regeln und Strukturen es gibt. Zum Beispiel vergleiche ich, inwiefern sich die Gedanken der Personen, die den Raum geschaffen haben, in den Handlungen derer, die den Raum nutzen, widerspiegeln.

Was möchtest Du persönlich mit dem Goldrausch-Künstlerinnenprojekt erreichen?
Gerne möchte ich die entstandenen Kontakte über das Jahr hinaustragen in Form von gegenseitiger Unterstützung und gemeinsamen Arbeitskontexten.

Woran arbeitest Du aktuell?
Als Kollektiv mark realisieren wir gerade ein Künstlerbuch. Wir sind fünf Frauen aus Architektur, Sozialwesen, Design und Kunst und arbeiten seit neun Jahren zusammen. Darüber hinaus bin ich bei der Vorarbeit für einen Ausstellungsbei- trag ausgehend vom Hansaviertel und der Interbau 1957 – worauf ich mit dem Portraitfoto für dieses Interview Bezug nehme – und für eine Einzelausstellung im Kunstverein Bremerhaven.

Wie arbeitest Du?
Meine Arbeiten sind stets ein Zusammenspiel aus der konkreten Situation und weiterem gesetzten Material, etwa minimalen Eingriffen: eine Klebeschrift an der Wand, Infozettel, Stadtpläne oder eine Imitation der vorhandenen Informationsebene. Es ist eine Mischung aus Situation und Intervention. Am Anfang ist es ein Prozess des Umkreisens und Sammelns, bevor ich mich dann in einen Aspekt vertiefe.

Interview: Beate Scheder Foto: Sonya Schönberger

Fünf Fragen an …

Elisa Ewert, Bildhauerin

Elisa Ewert ist 1984 in Berlin geboren. Dort studierte sie an der Universität der Künste bei Burkhard Held und an der Glasgow School of Art. Sie war Meisterschülerin in der Klasse von Burkhard Held und erhielt 2015 den Meisterschülerpreis des Präsidenten der Universität der Künste Berlin. Ihre Arbeiten waren unter anderem in Ausstellungen in der Temporären Kunsthalle Berlin (2010), im Kunsthaus Bethanien (2012) und in der Galerie Villa Köppe (2013 und 2014) zu sehen.

Womit beschäftigst Du Dich in Deiner künstlerischen Arbeit?

In meiner Arbeit geht es hauptsächlich um Fragen von Materialität, Wahrneh- mung und Transformation sowie um die Auseinandersetzung mit vorgefundener Ästhetik im öffentlichen Raum.

Was möchtest Du persönlich mit dem Goldrausch-Künstlerinnenprojekt erreichen?

Ich würde mich gerne mit anderen Künstlerinnen vernetzen, austauschen, wie es jetzt schon passiert ist und mich darüber hinaus mithilfe der Angebote, die mir das Projekt bietet, als Künstlerin auf verschiedenen Ebenen professionalisieren.

Woran arbeitest Du aktuell?

Ich arbeite momentan an der Weiterführung einer Serie von Arbeiten aus Kera- mik. Für mich neu daran ist, dass ich die Keramiken auch mit Performance ver- binde.

Wie arbeitest Du?

Meine Objekte aus Keramik entstehen aus Skizzen und Beobachtungen in ver- schiedenen Medien, vor allem aber aus der körperlichen Auseinandersetzung mit dem Material Ton.

Was möchtest Du mit Deiner Kunst bewirken?

Sensibilisierung für Fragen der Wahrnehmung.

Interview: Beate Scheder Foto: Hanna Karnapke

Fünf Fragen an …

Ulrike Hannemann, Jahrgang 1977, Fotografin

Ulrike Hannemann stammt aus Wittenberg. Die Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig schloss sie 2010 mit einem Diplom in Fotografie ab. Danach war sie bis 2013 Meisterschülerin bei Peter Piller. Ihre fotografischen Arbeiten waren zuletzt in einer Gruppenausstellung in der Galerie b2, Leipzig (2016), im EIKON Schaufenster, Wien (2015), in einer Einzelausstellung in der Galerie Loris, Berlin (2015) und beim f/stop, dem 6. Festival für Fotografie Leipzig (2014) zu sehen.

Womit beschäftigst Du Dich in Deiner künstlerischen Arbeit?

Zum einen beschäftige ich mich mit Orten und ihren Strukturen. Dabei interessieren mich Oberflächen und die Spuren, die sich darin eingeschrieben haben, sei es durch die Zeit oder den Gebrauch. Zum anderen sammle ich unterschiedliche Objekte – Alltagsgegenstände der Massenproduktion, Bilder, organische oder andere Fundstücke. In Stillleben untersuche ich dann das Zusammenwirken der gesammelten Objekte. Dafür kombiniere ich unterschiedliche Elemente, arrangiere sie in Schichten und ebne sie anschließend mittels der Fotografie wieder ein. Ich entwickle in meinen Arbeiten visuelle und formelle Assoziationen und setze mich mit den Möglichkeiten der Fotografie auseinander.

Was möchtest Du mit Deiner Kunst bewirken?

Ich möchte zum Nachdenken anregen und die Fragen, die mich während des Realisationsprozesses für die Arbeit beschäftigt haben, sichtbar machen.

Was inspiriert Dich?

Dinge, die ich auf Reisen entdecke und Bilder – z.B. wissenschaftliche Abbildungen oder Tableaus, auf die ich in Büchern stoße.

Was möchtest Du persönlich mit dem Goldrausch-Künstlerinnenprojekt erreichen?

In erster Linie möchte ich mehr Selbstverständnis in der Kommunikation meiner künstlerischen Position entwickeln und mein Netzwerk erweitern.

Interview: Beate Scheder  Foto: Ulrike Hannemann

Fünf Fragen an …

Rike Horb, Künstlerin für Installation und Performance

Rike Horb ist in Berlin geboren und studierte an der Universität der Künste Berlin im Institut für Raumexperimente und der Akademie der bildenden Künste Wien. Ab 2014 war sie Meisterschülerin bei Olafur Eliasson. Ihre Arbeiten waren u.a. im Vitamin Creative Space in Guangzhou, China (2014), dem Festival of Future Nows in der Neue Nationalgalerie Berlin (2014), bei Centrum, Berlin (2015) und in der Galerie b2 (2016) zu sehen. 2015 gewann Horb den Berlin Art Prize.

Womit beschäftigst Du Dich in Deiner künstlerischen Arbeit?

Damit, Beweglichkeiten zu schaffen und Flexibilität zu testen, von mir, dem Material und dem Betrachter. Auch in meiner Praxis lege ich Wert auf Beweglichkeit. Ich will mich nicht von vornherein auf ein Material festlegen. Manchmal führt zwar eine Arbeit zur nächsten, aber gleichzeitig gibt es immer auch neue Impulse, so dass dann häufig ein anderes Material oder ein anderes Medium näher dran ist. Es ist mir wichtig, das zu reflektieren.

Was möchtest Du mit deiner Kunst bewirken?

Anzuregen, in Zusammenhängen zu denken und auf Handlungsfähigkeiten aufmerksam machen. Ich denke, dass vieles, das zunächst voneinander getrennt zu sein scheint, ineinander greift. Diese Analogien, die zwischen vielen Dingen existieren und auf die ich aufmerksam mache, helfen vielleicht auch, eine neue Perspektive einzunehmen.

Was inspiriert Dich?

Die Berührungspunkte zwischen Architektur und dem menschlichen Körper, Stadtdynamik, die Formalisierung von Material und der architektonische Wille.

Was möchtest Du persönlich mit dem Goldrausch-Künstlerinnenprojekt erreichen?

Erfahren, was andere Künstlerinnen bewegt, was sie heute meinen und an was sie glauben; auf andere Künstlerinnen und Kunstwissenschaftlerinnen treffen, die sich für dieses Feld entschieden haben; Kontinuität im Austausch erleben, disku- tieren und kommentieren.

Wie arbeitest Du?

Ich denke viel und mache viele kleine Tests – Impulse sind das eigentlich. Wenn ich alles habe, ergibt sich daraus meistens eine größere Arbeit, die dann punktu- ell vor Ort umgesetzt wird. So kann ich mich im Ausstellungsprozess selbst überraschen lassen und diese Überraschung und die Lösung, d.h. die Reaktionen darauf, auch zeigen.

Interview: Beate Scheder Foto: Florian Denzin

Fünf Fragen an …

Stefanie Kägi, Jahrgang 1987, Malerin und Installationskünstlerin

Stefanie Kägi ist in Winterthur, Schweiz, geboren. Sie studierte an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee und der École Nationale supérieure de Beaux-Arts, Paris. 2014 war sie Meisterschülerin bei Friederike Feldmann in Weißensee. Im selben Jahr hatte sie eine Einzelausstellung in der Rene Hauser Gallery, Zürich. Zuletzt war sie an Gruppenausstellungen in der Kunsthalle Winterthur (2015), dem Haus der Kulturen der Welt, Berlin (2016) und der Vebikus Kunsthalle Schaffhausen (2016) beteiligt. Die Künstlerin lebt und arbeitet in Berlin.

Womit beschäftigst Du Dich in Deiner künstlerischen Arbeit?

In meinen Bildern, textilen Arbeiten und Wandinstallationen erfasse ich Momente, in denen analoge und digitale Produktion aufeinanderstoßen. Ich untersuche, wie Unregelmäßigkeiten in handwerklichen Techniken beispielsweise auf die Schnelligkeit eines Scanners treffen. So setzt sich eine halbautomatische, meist abstrakte Malerei zusammen. Ebenso spielt Zeit für mich eine wichtige Rolle. Mich interessiert besonders die Zeit, die Menschen mit Material verbringen. Außerdem interessiert mich, wie Arbeitsprozesse in Materialien und Oberflächen sichtbar werden.

Was inspiriert Dich?

Textilien. Die Sprache der Abstraktion von Textilien, ihre Geschichte, die auf eine unserer ältesten Kulturtechniken zurückgeht, ihre Materialität und den Austausch zwischen bildender und angewandter Kunst, der sich in ihnen manifestiert, finde ich sehr spannend.

Was möchtest Du persönlich mit dem Goldrausch-Künstlerinnenprojekt erreichen?

Den Austausch, der im Goldrausch stattfindet, finde ich sehr gut. Er wird mir bestimmt neue künstlerische Perspektiven geben, die für meinen Weg hilfreich sein werden.

Interview: Beate Scheder Foto: Lisa Haag

Fünf Fragen an …

Dina Khouri, Künstlerin für Malerei und Installation

Dina Khouri ist in Saudi-Arabien geboren und in Jordanien aufgewachsen. Ihren Bachelor of Arts in Film und Medienkunst erwarb sie 2009 an der Temple University, Philadelphia und der Tyler School of Art in Rom. Danach studierte sie an der Kunsthochschule Berlin Weißensee und dem Chelsea College of Art, London. Ab 2015 war sie in Weißensee Meisterschülerin bei Friederike Feldmann. Sie war in Gruppenausstellungen u.a. im Rahmen der Summer Residency in Makan, Jordanien (2009), in der Kunsthalle am Hamburger Platz, Berlin (2013), im Akademischen Kunstmuseum, Bonn (2014) und bei Ashkal Alwan, Beirut (2015) vertreten. Khouri lebt und arbeitet zwischen Berlin und Amman.

Womit beschäftigst Du Dich in Deiner künstlerischen Arbeit?

Ich untersuche die Kapazitäten der Malerei. Dabei arbeite ich mit den Spannungen sich gegenüberstehender Landschaften. Außerdem untersuche ich Landschaften und deren Dimensionen, Zeit und Raum. Auch Rahmen sind ein zentraler Aspekt meiner Arbeit. Manchmal ist auch meine Arbeit der Rahmen.

Was inspiriert Dich?

Orte, die im Wandel begriffen sind. Ich spaziere herum und nähere mich ihnen an. Mir geht es um die unmittelbare Reaktion – besonders in der Malerei. Ich benutze das, was mir auf meinen Spaziergängen oder beim Lesen begegnet. In meinem Atelier denke ich darüber nach und betrachte lange Zeit die Materialien, bis ich zu arbeiten beginne.

Was möchtest Du persönlich mit dem Goldrausch-Künstlerinnenprojekt erreichen?

Ich möchte anderen Berliner Künstlerinnen begegnen und mit ihnen ein starkes Netzwerk bilden.

Woran arbeitest Du aktuell?

Ich recherchiere über das erste Museum der Welt. Eine Frau und ihr Vater gründeten es im Irak, etwa 550 v. Chr. Er war Archäologe, sie Kuratorin. Ich habe bereits eine Videoarbeit zu diesem Thema gemacht. Es geht mir um die Frage, inwiefern dieses Museum sowie dessen Blick auf Kunst und Kunstgeschichte heute noch relevant sind. Außerdem male ich mit Öl auf Metalplatten, jede Ebene der Malerei ist eine Platte.

Mit welchem anderen Künstler / welcher anderen Künstlerin würdest Du gerne einmal zusammenarbeiten?

Sehr gerne würde ich Prinzessin Bel Shalti Nannar treffen, die Gründerin dieses Museums, um mehr über ihre Ideen und die Kunst der damaligen Zeit zu erfahren. Oder auch Hildegard von Bingen, deren Malerei ich sehr mag. Beide sind leider schon tot.

Interview: Beate Scheder Foto: Eshan Rafi

Fünf Fragen an …

Alanna Lynch, Jahrgang 1978, Performancekünstlerin

Alanna Lynch ist 1978 in Vancouver geboren. Nach einem Bachelor in Psychologie und Biologie an der Queens University, Kingston, studierte sie am Montreal Centre for Contemporary Textiles und an der Concordia University in Montreal, wo sie ihren Bachelor in Fine Arts erwarb. Im Anschluss absolvierte sie einen Master in Bibliotheks- und Informationswesen an der McGill University. Von 2013 bis 2015 besuchte sie die Valand Academy in Göteborg und schloss dort ihren Master of Fine Arts ab. Seitdem lebt und arbeitet sie in Berlin.

Womit beschäftigst Du Dich in Deiner künstlerischen Arbeit?

Ich beschäftige mich mit der Ästhetik von Gefühlen der Angst und des Ekels und wie diese manipuliert werden können. Dabei nutze ich meine Erfahrungen in Biologie, Psychologie und im Aktivismus. Die Arbeit selbst ist oft Performance, aber ich arbeite auch mit Textilien und anderen Materialien. Kürzlich habe ich begonnen mit lebenden Organismen zu arbeiten, weil ich mich gerade sehr für die Angst vor Infektion interessiere, für das Gefühl der Bedrohung und die Ab- grenzung zwischen dem Selbst und dem Anderen.

Wie arbeitest Du?

Ich mache vieles gleichzeitig, das sich gegenseitig beeinflusst: Ich experimentiere mit Materialien, lese, recherchiere. Auch mit Leuten zu sprechen, zu trainieren und mich zu bewegen ist Teil meiner Arbeit.

Mit welchem anderen Künstler / welcher anderen Künstlerin würdest Du gerne einmal zusammenarbeiten?

Die einzige Person, die mir einfällt, lebt nicht mehr: Lygia Clark. Sie war eine brasilianische Künstlerin, die in den 60er und 70er Jahren mit partizipatorischen Projekten gearbeitet hat, in denen es um Sinneserfahrungen ging. Ihre Arbeit inspiriert mich sehr.

Interview: Beate Scheder Foto: Alanna Lynch

Fünf Fragen an …

Dagmar Schürrer, Jahrgang 1980, Videokünstlerin

Dagmar Schürrer ist in Österreich geboren und aufgewachsen. Studiert hat sie am Central Saint Martins College in London. 2011 machte sie dort ihren Abschluss, seit 2013 lebt und arbeitet sie in Berlin. Ihre Videokunst hat sie bereits bei zahlreichen Gruppen- und Einzelausstellungen und auf Festivals gezeigt, u.a. bei Bloomberg New Contemporaries im ICA, London 2011, beim Impakt Festival in Utrecht 2013, beim Berlin Art Prize (Shortlist) 2013, beim Fullframe Festival in Wien 2014. Im Juli und August 2016 nimmt sie an der Moscow Biennale For Young Art teil.

Womit beschäftigst Du Dich in Deiner künstlerischen Arbeit?

Ich arbeite vorwiegend mit digitalem Video und verwende dafür fast ausschließlich found Footage, das ich gleichwertig mit Text und abstrakten geometrischen Elementen zusammencollagiere. Die Videos folgen keiner traditionellen Erzählstruktur, sind stark geschnitten, sehr rhythmisch, fast malerisch angeordnet. Diese Choreographie wird von einer stark ausgeprägten Tonspur begleitet, die sich aus Samples und Geräuschen zusammensetzt. Im Ausstellungskontext laufen die Videos in Endlosschleife und werden zu einer begehbaren Projektion.

Was möchtest Du persönlich mit dem Goldrausch-Künstlerinnenprojekt erreichen?

Hauptsächlich geht es mir um zwei Punkte: Ich möchte Kontakte zu den anderen Künstlerinnen und Kulturschaffenden knüpfen und eine schöne und spannende Ausstellung haben.

Woran arbeitest Du aktuell?

Momentan setze ich mich mit dem Thema Effizienz im Sinne eines Werkzeugs auseinander, das Systeme ohne Störungen und Unterbrechungen erhalten soll. Bei den Videoarbeiten bin ich gerade außerdem dabei, Linien und animierte Zeichnungen noch stärker einzubringen, um die malerische Wirkung noch zu steigern.

Wie arbeitest Du?

Am Anfang steht meist ein Textgerüst oder ein Text, zu dem parallel eine Sammlung an found Footage entsteht. Dann wird alles zusammen editiert. Der Text kann sich dabei noch verändern. Textlichkeit ist mir sehr wichtig, da ich mich intensiv mit alternativen, nicht linearen Erzählstrukturen beschäftige.

Interview: Beate Scheder Foto: Xiaofu Wang

Fünf Fragen an …

Anna Steinert, Jahrgang 1983, Malerin, Objektkünstlerin und Experimentalfilmerin

Anna Steinert stammt aus Krefeld. Sie studierte an HFBK Hamburg bei Werner Büttner und Hanne Loreck. 2013 erwarb sie dort ihr Diplom. Seit 2012 ist sie Mitglied der Künstlerinnengruppe CALL. In Berlin wird sie von der Galerie Sandra Bürgel vertreten. Einzelausstellungen hatte sie u.a. im Kunsthaus Jesteburg (2014), in der Galerie Sandra Bürgel, Berlin (2015) und im Kunstverein Harburger Bahnhof, Hamburg (2016). Sie lebt und arbeitet in Hamburg und Berlin.

Womit beschäftigst Du Dich in Deiner künstlerischen Arbeit?

Hauptthema meiner Arbeit sind Gesicht und Maske. Mich interessiert das Paradox, dass die Maske, obwohl sie das Gesicht bedeckt, eher enthüllt, als dass sie etwas verbirgt. Malerisch beschäftige ich mich mit der Frage von Gesichtsauflösung. Außerdem fertige ich Masken und Skulpturen an, um sie als Requisiten in meinen Filmen zu benutzen. Dort funktionieren sie als eine Art Spielzeug oder Hilfsmittel, um sich in ein Ritual hineinzusteigern, das improvisatorisch und je nach Film in einem unterschiedlichen Kontext gemeinsam mit allen am Set Mitwirkenden gefeiert wird.

Was möchtest Du mit Deiner Kunst bewirken?
Ich plädiere für Rätselhaftigkeit und für ein inneres Verständnis von Dingen, für eine Sinnhaftigkeit, die über die Sinne funktioniert. Ich möchte Fantasie anregen. Ich finde, dass unser Zeitalter Fantasielosigkeit fördert, indem so vieles entschlüsselt, glatt gebügelt und fertig serviert wird.

Was inspiriert Dich?
Mich inspirieren Masken und Rituale sämtlicher Kulturen, Surrealismus, Dadaismus, Malerei der Renaissance und des Mittelalters, Literatur, Philosophie, Bibliotheken, Natur, Austausch mit anderen Menschen, Musik, Bewegung und Reisen.

Interview: Beate Scheder Foto: Sebastian Mayer

Fünf Fragen an …

Nina Tobien, Jahrgang 1978, Künstlerin in den Bereichen Collage, Skulptur, Installation und Performance

Nina Tobien studierte zunächst Philosophie und Indische Philologie an der Freien Universität Berlin. Danach absolvierte sie ihre Ausbildung an der Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main und an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste Städelschule in Frankfurt am Main, wo sie ihr Studium der Freien Malerei als Meisterschülerin von Michael Krebber 2007 abschloss. Ihre Arbeiten waren in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen zu sehen, zuletzt im Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main, im Frankfurter Kunstverein, in der Frankfurter Galerie Parisa Kind, im Westfälischen Kunstverein, Münster, im Kunstverein Göt- tingen, auf der Istanbul Biennale (side project) und im Museu de Arte Moderna da Bahia, Salvador, Brasilien.

Was inspiriert Dich?

Mich inspirieren Momente, in denen ich unvermittelt einen Zusammenhang zwischen unterschiedlichen Dingen ahne. Heute Morgen habe ich zum Beispiel die neue Schaufensterdekoration beim Bäcker gesehen, das Inhaltsverzeichnis des Buchs Notwendige Beziehungen von Oppitz überflogen und die gefärbten Achselhaare von Miley Cyrus studiert – damit kann ich dann arbeiten.

Woran arbeitest Du aktuell?

Ich arbeite gerade an meinem Archiv querlaufender Gedanken und in diesem Zusammenhang an der Umsetzung eines Tableau vivant.

Wie arbeitest Du?

Entspannt. Entschlossen. Emotional.

Interview: Beate Scheder Foto: Max von Stein