in touch – Goldrausch 2026
Eröffnung
Text
Wie bleiben wir mit der gesellschaftspolitischen Realität in Berührung, ohne dabei die Verbindung zu uns selbst zu verlieren? Wie können wir an dem festhalten, woran wir glauben – selbst dann, wenn sich die uns umgebenden Systeme als fragil oder feindselig erweisen?
in touch – Goldrausch 2026 präsentiert aktuelle Werke der fünfzehn in Berlin arbeitenden Goldrausch-Stipendiatinnen* 2026. Die Arbeiten setzen sich mit alltäglichen Formen der Kommunikation, des Widerstands und der Intimität auseinander, ebenso wie mit dem Wunsch nach Verbundenheit und Zugehörigkeit als einem oft unerfüllten Versprechen. Die Ausstellung versteht „Berührung“ als Ergänzung zum Sehen: als eine intime Geste, als eine grundlegende Art, Beziehungen zu knüpfen, und als ein wesentliches Element des künstlerischen Prozesses.
Die Arbeiten zeigen reale und traumartige Orte, beschäftigen sich mit Gemeinschaften, greifen Erinnerungen und persönliche Geschichten auf oder entwerfen alltägliche und imaginierte Objekte. In einer Zeit, in der künstlerische und kulturelle Infrastrukturen unter Druck stehen, setzt in touch ein Zeichen für den Erhalt und die Stärkung dieser Orte des Austauschs und der Solidarität. Tragfähige Strukturen zu schaffen, ist Kernidee des Goldrausch Künstlerinnenprojekts: Das einjährige Professionalisierungsprogramm fördert die öffentliche Anerkennung herausragender künstlerischer Positionen von Frauen / FLINTA. Seit 1989 hat das Programm mehr als 500 Künstlerinnen* begleitet und ein vielstimmiges Netzwerk geschaffen, das Verbundenheit, nachhaltige Professionalität und öffentliche Präsenz – insbesondere unterrepräsentierter Gruppen – stärkt.
Zur Ausstellung erscheinen 15 Broschüren, die einzeln sowie als Gesamtkatalog erhältlich sind. Begleitet wird die Ausstellung von einem umfangreichen Performanceund Workshop-Programm.
Programm
Freitag 11.09.
17:30-19:00 Uhr: Kuratorische Führung durch die Ausstellung mit Maj Smoszna im Dialog mit Rahel grote Lambers, Wiebke Mertens und Esther Rosenboom
19:00-19:30: Performative Intervention “Die schwebende Nase” von Suah Im
Ausgehend von der Erfahrung des Pendelns zwischen verschiedenen Städten untersucht die Künstlerin mithilfe ihres Körpers sensorische Desorientierung, die Frage „Wo befinde ich mich gerade?“ und die flüchtige Wahrnehmung von Raum. Während der Performance interagiert sie mit den Objekten ihrer Installation in der Ausstellung. So entsteht der sensible Versuch eines freischwebenden, nirgends fest verankerten Körpers, eine dauerhafte Beziehung mit einem fremden Raum aufzubauen und sich ihm anzunähern.
Samstag 12.09.
12:00-14:00 Uhr: Recherche-Workshop „Working from Traces: Artistic Research and Inaccessibility“ mit Daria Syvakos
Der Workshop vermittelt Methoden künstlerischer Recherche für die Arbeit mit Orten, die sich nicht vollständig erschließen lassen. Ausgangspunkt ist eine künstlerische Praxis, die Film, Installation, Kartografie und digitale Umgebungen verbindet und sich mit Infrastrukturen, Archiven und Worldbuilding auseinandersetzt. Die Teilnehmenden wählen einen Ort oder ein Recherchefragment aus und arbeiten mit Materialien, die ihnen zugänglich sind – etwa Bildern, Karten, Notizen, Erinnerungen, öffentlichen Dokumenten oder Fundstücken. In angeleiteten Übungen erstellen sie einen kleinen Rechercheatlas und entwickeln daraus eine erste künstlerische Skizze. Technische Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.
Anmeldung hier (max. 12 Teilnehmer:innen)
14:00-16:00 Uhr: Zeichen-Workshop “Taking a Line for a Walk (in my neighborhood)” mit Alma Itzhaky
Der Workshop begleitet die Teilnehmenden dabei, mentale Karten bedeutender Orte aus ihrem Leben zu gestalten. Mithilfe einer einfachen Technik der angeleiteten Visualisierung, Zeichnung und Collage erstellen die Teilnehmenden individuelle mentale Karten und nutzen diese, um eine mit dieser Umgebung verbundene Erinnerung zu erzählen. Der Workshop lädt dazu ein, über die Verbindung zwischen dem Zeichnen und dem Nachzeichnen eines Weges auf einer Oberfläche nachzudenken – in Anlehnung an Paul Klees berühmten Ausspruch, dass eine Linie ein Punkt ist, der spazieren geht.
Anmeldung hier (max. 15 Teilnehmer:innen)
16:00-17:00 Uhr: Performative Intervention “Bodenbeobachtungen” von Marie Salcedo Horn
Die Keramiken von Marie Salcedo Horn dienen als Werkzeuge, um sich dem Boden der nGbK mit mehreren Sinnen anzunähern. Die beiden Objekte sind etwa 50 cm hoch und auf Rollen montiert. An trichterartige Spielzeuge erinnernd, können Besuchende sie umarmen und durch den Raum schieben, um dem Boden und dem Ort zu lauschen oder beide durch einen gezielten Fokus zu betrachten. Dabei geht es darum, die Wahrnehmung des Raums mit dem eigenen Körper zu erforschen.
Anmeldung hier (max. 10 Teilnehmer:innen)
Sonntag 13.09.
17:00-17:30 Uhr: Performance “33L of Pain” von Ksti Hu
Wie viel Landschaft lässt sich in einen Körper übersetzen? Wann wird Temperatur politisch? Wann wird das Aushalten zu einer Form der Übersetzung?
Ksti Hu steht auf einem Eisblock, und liest einen Text über Unsichtbarkeit und thermische Politik, begleitet von einer Live-Komposition von Vira Pogurskaja. Das Schmelzen des Eises bildet die zeitliche Struktur der Performance und setzt sich nach ihrem Ende als materieller Prozess der Installation fort.
17:30-18:00 Uhr: Lesung “Manifesto of Post-Phlegmatism” von Miriam Schmidtke
Das Manifesto of Post-Phlegmatism feiert Apathie und die Flucht in den ewigen Schlaf als radikale Geste gegen die unterdrückenden Anforderungen des Spätkapitalismus. Der Text versteht Ruhe nicht als bloße biologische Notwendigkeit, sondern als politische Haltung. Schlaf erscheint hier nicht als Mittel zur Regeneration für weitere Arbeit, sondern als bewusster Entzug aus einem System, das menschliche Energie unaufhörlich verwertet. Das Manifest ruft zu einem spekulativen Kult der Träumenden auf und imaginiert einen Zufluchtsort für all jene, die Schutz in den Schwellenräumen zwischen Unbewusstem und digitalem Äther suchen. Schlaf wird zur mystischen Praxis und zugleich zu einer Form des Widerstands gegen permanente Verfügbarkeit und technokapitalistische Überwachung.
18:00-18:30 Musik-Konzert von Jane Garbert mit Adriano Redoglia
Neben ihrer künstlerischen Praxis schreibt und komponiert Jane Garbert eigene Lieder. Anlässlich der Ausstellung im Rahmen der Berlin Art Week gibt sie ein intimes Konzert. Dabei wird sie zum ersten Mal von Schlagzeuger Adriano Redoglia begleitet.
18.30–19 Uhr: Performance „Druzhba sent from my iPhone II“ von Kristina Kusmina Dreit
Druzhba sent from my iPhone setzt sich mit der unheimlich-vertrauten Bildsprache des Sozialistischen Realismus auseinander. Ausgangspunkt sind subtile Parallelen zwischen Gemälden des Sozialistischen Realismus und den Gesten und Posen, die in den Familienfotografien der Künstlerin zu finden sind. Vor dem Hintergrund der vielschichtigen Geschichte der nGbK am Alexanderplatz – untergebracht in einem ehemaligen McDonald’s in einer ehemaligen Markthalle – wirft das Werk Fragen nach Arbeit, Erinnerung und deren Darstellung auf.
Donnerstag 17.09.
17:00-19:00 Uhr: Performativer Spaziergang im öffentlichen Raum “rehearsing resistance” mit rezzan gümgüm
Treffpunkt: Vor dem Eingang der nGbK
Eine partizipative performative Aktion mit roten elastischen Bändern, die einen kurzen öffentlichen Spaziergang mit einem kollektiven Spiel im Park verbindet. Die Teilnehmenden sind eingeladen, nach dem Spaziergang bei dem Spiel mitzumachen. Die Arbeit untersucht Grenzen nicht als feste Linien, sondern als relationale Strukturen, die durch kollektive Bewegung gedehnt, verhandelt und neu gestaltet werden können.
Anmeldung hier (max. 15 Teilnehmer:innen)
Freitag 18.09.
17:00-19:00 Uhr: Poesie-Workshop “Land of Balsam” mit Hyejeong Yun
Der Workshop greift die historische koreanische Praxis des Färbens der Fingernägel mit Balsamblüten und -blättern auf. Die Teilnehmenden sind eingeladen, ihre Fingerspitzen mit Balsamblättern zu färben, die von Hyejeong Yun in Berlin angebaut wurden. Während sich die Farbe langsam auf Haut und Nägeln entwickelt, werden die Teilnehmenden durch eine Schreibsession begleitet, die sich mit Widerstand, Gemeinschaft, vererbter Erinnerung sowie mit Formen der Fürsorge und des Schutzes beschäftigt. Sie können Gedichte, kurze Texte oder Fragmente in ihren eigenen Sprachen verfassen. Der Workshop schafft einen temporären, mehrsprachigen Raum, in dem pflanzenbasierte Rituale, körperliche Gesten und gemeinsames Schreiben zusammenkommen.
Anmeldung hier (max. 15 Teilnehmer:innen)
Sonntag 20.09.
15:30-16:00 Uhr: Lecture Performance aus der Serie “The Builder’s Daughter” von Jelena Fužinato
Ausgehend von den Tagebüchern der fortlaufenden Nicht-Performance-Serie The Builder’s Daughter präsentiert die Künstlerin eine Lecture Performance, die untersucht, wie Individuen sich an von Institutionen geprägte Bedingungen anpassen – und wie Macht beeinflusst, was als möglich, denkbar oder sagbar erscheint. In einer autoethnografischen Arbeitsweise und ausgehend von dekolonialem Denken betrachtet sie persönliche Erfahrungen als Linse, durch die sich größere Strukturen transnationaler Politik, kolonialer Kontinuitäten und institutioneller Ausgrenzung untersuchen lassen.
16:30-17:00 Performance “How do I re-enter the world” von Rosh Zeeba
Was braucht es, um wieder sichtbar zu werden? How do I re-enter the world ist eine neue Performance von Rosh Zeeba, die den Raum zwischen Linse, Archiv und unmittelbarer Präsenz erkundet. Durch eine langsame Aushandlung von Geste, Sprache und materieller Lesbarkeit untersucht die Arbeit, wie wir aus dem Hintergrund hervortreten und in die unvermittelte Gegenwart eintreten.
Ausstellungsbesuch
Laufzeit: 10.–20. September 2026
Eröffnung: Mittwoch, 9. September 2026, 18 bis 22 Uhr (öffentlich)
Öffnungszeiten:
Di–So 12–18 Uhr
Fr 12–20 Uhr
Sonderöffnungszeiten Art Week 10.-13.09.: 12 – 20 Uhr
Eintritt frei
Goldrausch-Team
Projektleitung : Hannah Kruse
Lehrkoordination: Veronika Bartelt
Kursbegleitung & PR: Manon Frugier
Verwaltung & Finanzen: Antonia Zeljko, Sonja Altmeppen
Aufbau: Leopold Landrichter
Presse: Barbara Green
Gestaltung: Rimini Berlin
Büro und Mitgliederbetreuung: Laura Gaertner
Produktion: Anuschka Gooß
Technik: Moritz Jekat
Aufbauteam: Emoke Samu, Tibor Horváth, Jo Landt, Valentyn Medvediev, Levente Pavelka, Matthieu Séry, Andrés Felipe Uribe Cárdenas
Veranstaltungen: Jérôme Sklorz
Presse: Lutz Breitinger
Kommunikation: Anna Schanowski, Madeleine Stöber
Publikationen und Archiv: Hanna Magauer
Logistik und Versand: Hartmut Schulenburg
Finanzen: Anita Marschner
Buchhaltung: Barbara Jerusalem, Kerstin Karge
Besucher*innenservice: Lith Bahlmann, Valentina Berthelon, Alex Booth, Andrés Felipe Uribe Cárdenas, Marcela Sánchez, André Schöne