• Jahrgang
    2026
  • Ausstellung
  • Publikation
rezzan gümgüm
Foto: Erhan Muratoğlu

Fünf Fragen an …

rezzan gümgüm (* 1978 in Varto) ist Multimedia-Künstlerin und Forscherin. Sie absolvierte ihren B.A. und M.A. in Kunstpädagogik an der Gazi University und promovierte in Bildender Kunst an der Hacettepe University in Ankara. Weitere Studien führten sie an die Accademia di Belle Arti di Macerata in Italien sowie an die Complutense University of Madrid. In ihrer künstlerischen Praxis beschäftigt sich mit Fragen von Verdrängung, Identität, Erinnerung, Natur und Alltag sowie mit Narrativen außerhalb offizieller historischer und nationaler Erzählungen. Ihre Arbeiten wurden unter anderem im ZKM Karlsruhe, bei Spore Initiative und in der nGbK in Berlin und bei Depo Istanbul gezeigt. 2024 erhielt sie das Istanbul-Berlin-Stipendium des Berliner Senats.

In deiner Kunst geht es viel um Unsichtbarkeit, inwiefern?

Unsichtbarkeit spielt in meiner künstlerischen Praxis eine wiederkehrende Rolle. Mich interessiert, wer sichtbar ist und wer übersehen wird. Die Arbeit „Invisible“ hat das im Kontext der Gemeinschaften untersucht, in denen wir leben. Das Thema zieht sich aber durch alle meine Arbeiten. Ich frage danach, wessen Geschichten, Erinnerungen und Wissen Anerkennung finden, und wer ungehört bleibt.

Wie entstehen deine Ideen?

Meine Projekte beginnen oft mit einem Ort, einer Begegnung oder einer persönlichen Erfahrung und weiten sich dann auf umfassendere gesellschaftliche und historische Fragestellungen aus. Kunst ermöglicht es mir, individuelle Erfahrungen mit kollektiven Erzählungen zu verknüpfen und Räume für den Dialog zu öffnen

 

Wie bringst du Menschen zum Sprechen?

Ich schaffe Situationen, in denen Begegnungen, gemeinsame Erlebnisse und Gespräche auf natürliche Weise entstehen können. Anstatt Menschen aufzufordern, auf ein Kunstwerk zu reagieren, lade ich sie dazu ein, Teil des Prozesses zu werden.

 

Zu welchen Plätzen hast du recherchiert?

Orte sind niemals bloß physische Standorte. Sie bergen Schichten aus Erfahrung, Geschichte und menschlichen Beziehungen. Mich ziehen Landschaften an, die von Wandel, Vertreibung und Abwesenheit geprägt sind, Orte, an denen Fragen zu Natur, Gewalt, Identität und Kultur aufeinandertreffen. Durch Gehen, Zuhören, Archivrecherchen und das Sammeln von Objekten untersuche ich, wie Orte die Spuren dessen bewahren, was sich ereignet hat. Ich folge Fragmenten, Überresten und alltäglichen Praktiken, um die verschiedenen Realitäten zu verstehen, die innerhalb einer Landschaft koexistieren.

Warum machst du bei Goldrausch mit?
Ich lebe seit etwa zwei Jahren in Berlin. Durch Goldrausch habe ich hier ein echtes Gefühl der Zugehörigkeit gefunden. Für mich ist es mehr als nur ein Programm zur beruflichen Weiterentwicklung; es hat mir das Gefühl gegeben, ein Teil dieser Stadt zu sein.

Interview: Beate Scheder