• Jahrgang
    2026
  • Ausstellung
  • Publikation
Miriam Schmidtke
Foto: Michael Hackl

Fünf Fragen an …

Miriam Schmidtke (* 1991 in Berlin) ist Medienkünstlerin und Autorin. Sie studierte in der Klasse „Raumszenarien“ an der Universität der Künste Berlin sowie Bühnenbild und Bildhauerei an der Weißensee Kunsthochschule Berlin und der Musashino Art University in Tokio. In ihren installativen und performativen Arbeiten übersetzt sie aktuelle soziale, technologische und emotionale Infrastrukturen in spekulative Erzählungen. Künstlerische Beiträge und Gastspiele ihrer Texte erschienen zum Beispiel am Werk X-Petersplatz in Wien, in der Werkleitz Gesellschaft, bei Deutschlandfunk Kultur, der Ars Electronica Linz und der Luxembourg Art Week. Sie ist Mitglied im Kuratorium von „Monitoring“, der Sektion für Medienkunst des Kasseler Dokumentarfilm- und Videofests.

Du bezeichnest dich als post-phlegmatische Medienkünstlerin und Autorin. Was meinst du damit?

Post-Phlegmatismus ist ein selbsterfundener Begriff. Mit diesem spekulativen Denkmodell untersuche ich, wie sich Menschen durch eine radikale Flucht in Lethargie und Schlaf vom ständigen Zwang zu funktionieren loslösen könnten. Dazu habe ich „The Manifesto of Post-Phlegmatism“ geschrieben. Es ist der innere Monolog einer Frau in Überforderung und in Verweigerung des kapitalistischen Systems.

Nimmst du diesen Druck als Künstlerin besonders stark war?

Ich arbeite eher autoethnografisch als autobiografisch. Die Themen, die ich bespiele, sind aber natürlich meiner Realität entlehnt. Ein Aspekt aus dem Manifest ist die Frage, wie Menschen Wert zugeschrieben wird. In einer künstlerischen Karriere ist dieses Thema unglaublich virulent. Man muss immer präsent sein und gleichzeitig damit leben, auch einmal weniger Resonanz zurückzubekommen.

Wie findest du deine Themen?

Ich untersuche Arbeit nicht nur als ökonomische Tätigkeit, sondern als ein kulturelles, sich wiederholendes Skript. Meine Fragestellungen sind meist feministisch konnotiert, vieles hat mit mir selbst zu tun. Ich interessiere mich aber auch für Netzkultur, für Subkulturen und bestimmte Gruppen, die gesellschaftlich eher Frauen zugeschrieben werden und eng mit Dienstleistung und emotionaler Arbeit verbunden sind.

Welche Form nimmt deine Kunst an?

Text ist eine wichtige Komponente meiner Arbeit, aber nicht die einzige. Das Manifest habe ich etwa mit einem Sounddesign vertont und in der Installation proklamiert ein Billboard „There is nothing soft about needing more than 8 hours of sleep“. Ich gehe vom Text aus und suche eine Übersetzung in den Raum oder in eine Performance.

Warum machst du bei Goldrausch mit?

Ich hatte das Bedürfnis nach einer festen Gruppe und einem Rahmen, um mit meiner eigenen Arbeitsweise in Kontakt zu treten. Es ist toll, mit anderen Künstlerinnen in den Austausch zu gehen und einen Raum der Solidarität zu schaffen.

Interview: Beate Scheder