• Jahrgang
    2026
  • Ausstellung
  • Publikation
Ksti Hu
Foto: Antonio Velez

Fünf Fragen an …

Ksti Hu (* 1991) wuchs in Komi auf und studierte Visuelle Kommunikation und Medienkunst in Berlin und Offenbach. Frühe experimentelle Arbeiten umfassen animierte Videos für Pussy Riot und Rage Against the Machine sowie digitale Werkzeuge, die Sprache und Identität als kulturell codierte Systeme hinterfragen. Mit der Soloausstellung 20 KG of Me (2025) im saasfee*pavillon in Frankfurt am Main verlagerte sich ihr Fokus stärker auf Thermal Politics. Hus Arbeiten waren unter anderem in der Superchief Gallery NFT in New York und im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt zu sehen. Ksti Hu performte solo unter anderem auf der Conceptual Biennale in Berlin und in der L’Aléatoire Art Gallery in Paris sowie in kollaborativen Performances im Brooklyn Museum, auf dem SXSW-Festival in Austin und im OK Linz.

Womit beschäftigst du dich gerade?

Zurzeit beschäftigen mich thermale Politiken – also die Frage, wie Temperatur gesellschaftliche und politische Verhältnisse organisiert. Mich interessiert, wie Kälte und Hitze Körper regulieren sowie sichtbar oder unsichtbar machen.

Wie meinst du das?

Ich komme aus einer arktischen Region. Im Alltag erlebe ich immer wieder, dass Menschen meinem Körper aufgrund meiner Herkunft bestimmte Temperatureigenschaften zuschreiben – etwa, dass ich Kälte anders empfinde oder nicht friere. Solche Vorstellungen haben wenig mit der Realität zu tun. Sie zeigen, dass Temperaturempfinden nicht nur biologisch, sondern auch gesellschaftlich geprägt ist. Nicole Starosielski beschreibt in „Media Hot and Cold“ ein überheiztes Wohnprojekt in Chicago. Als die Bewohner ihre Wohnungen später selbst regulieren konnten, stellten viele die Heizung weiterhin sehr hoch – ihr Temperaturempfinden hatte sich an dieses thermale Regime angepasst. Genau diese Verbindung von Körper, Temperatur und Macht interessiert mich.

Wie forschst du dazu?

Ich verbinde persönliche Erfahrungen, theoretische Recherche und performative Videoversuche, in denen Authentizität zur erzwungenen Ästhetik wird.

Was für Kunst entsteht daraus?

Ich arbeite performativ und dokumentiere die Arbeiten auf Video. Sie sind inszeniert, ihr Ausgang bleibt jedoch offen. In einer Performance lege ich einen aus Eis gegossenen Abguss meines Gesichts auf mein eigenes und halte es so lange wie möglich aus. Mich interessiert eine Form von Gewalt, die zunächst kaum sichtbar ist. Die Spuren entstehen erst im Verlauf der Performance und fragen, wie das Medium Video Authentizität erzeugt und welche Formen von Gewalt sichtbar werden – oder unsichtbar bleiben.

Warum machst du bei Goldrausch mit?

Goldrausch interessiert mich, weil hier komplexe künstlerische Positionen auf eine solidarische Gemeinschaft von FLINTA*-Künstler treffen – eine Konstellation, die im Kunstbetrieb selten entsteht.

Interview: Beate Scheder