Fünf Fragen an …
Kristina Kusmina Dreit (* 1988 in Kasachstan) ist eine multidisziplinär arbeitende Künstlerin und Regisseurin. In Performances, Installationen, Texten und Filmen untersucht sie, wie sich Arbeit und ökonomische Bedingungen in Körper, Sinne und Wahrnehmung einschreiben. Sie studierte an der Akademie der bildenden Künste Wien, der Zürcher Hochschule der Künste und der Universität Hildesheim. 2024 veröffentlichte sie mit ihrer Schwester das Buch Working Class Daughters. Über Klasse sprechen. Ihre Arbeiten wurden unter anderem in der Berlinischen Galerie, im Lenbachhaus in München, beim Bâtard Festival in Brüssel, bei Indeks in Bandung (ID) und bei Centrale Fies in Trento (IT) gezeigt.
Wie kommst du auf deine Ideen?
Ich gehe oft von eigenen Wahrnehmungen, alltäglichen Situationen, Irritationsmomenten oder Dingen, die scheinbar nicht zusammengehören, aus. In meinem Text „Druzhba sent from my iPhone“ schreibe ich beispielsweise über meine eigene Arbeit. Es geht um die Werkzeuge, die ich verwende, und ich versuche meine Arbeit als Künstlerin auch im Vergleich zu den klassischen Arbeiter:innenberufen, denen meine Eltern nachgehen, zu beschreiben.
Wie greifst du das in deiner Kunst auf?
Oft arbeite ich performativ, frage mich also, wie ich etwas in Atmosphären, Räume, Situationen oder Bewegungen übertragen kann. Wahrnehmung spielt dabei eine Rolle und die Frage, wie diese irritiert oder erweitert werden kann. Gleichzeitig recherchiere ich oft auch in offiziellen und inoffiziellen Archiven und sammle Bilder, Texte, Objekte oder Kleidungsstücke, die ich dann manchmal erst Jahre später wieder aufgreife. Die Formen können dabei ganz unterschiedlich sein.
Zudem arbeite ich mit meiner Schwester unter dem Titel „Working Class Daughters“. Wir entwickeln Installationen, performative Lesungen und Publikationen, die oftmals von Interviews ausgehen, die wir zu Gesprächen am Küchentisch arrangieren.
Woran arbeitest du gerade?
An einer Performance und Installation, die von der Ästhetik des sozialistischen Realismus und besonders der Darstellungen von Arbeiter:innen ausgeht. Seit ich Parallelen zwischen dem Sozialistischen Realismus und eigenen Familienfotos festgestellt habe, interessiert mich, warum diese Abbildungen aus heutiger Perspektive so unheimlich wirken. Ich sammle Abbildungen, untersuche Gesten und Posen und recherchiere auch hier wieder den Umgang mit Materialien wie Stahl oder auch Getreide.
Warum machst du bei Goldrausch mit?
Künstlerisches Arbeiten wird oft romantisiert, deshalb gefällt es mir, dass bei Goldrausch das Strukturelle im Vordergrund steht – und damit die Frage, wie ein Leben als Künstlerin überhaupt ermöglicht werden kann. Und es ist natürlich schön, diese Gruppe zu haben, die sich so vielseitig unterstützt.
Interview: Beate Scheder