Fünf Fragen an …
Jelena Fužinato (* 1984 in Jugoslawien, aufgewachsen in Bosnien und Herzegowina) studierte an der Academy of Arts in Banja Luka, der University of Arts in Belgrad und am Institut für Kunst im Kontext der UdK Berlin. Sie arbeitet mit Zeichnung und Installation und untersucht transnationale Politik, koloniale Kontinuitäten und institutionellen Ausschluss. Ihre Praxis wurzelt im Phänomen Baustelle. Fužinatos Arbeiten wurden unter anderem in der Berlinischen Galerie, im Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart und in der nGbK in Berlin gezeigt. Ihre Praxis umfasst auch auf Lehre und kollektive Formate. So lehrte sie an der Hessischen Theaterakademie in Frankfurt, der Berlinischen Galerie und der Universität Potsdam. Seit 2021 ist sie Projektleiterin des Berliner Weiterbildungsprogramms KontextSchule.
Du beschreibst deine Kunst als „permanent Bauštele“. Wie meinst du das?
Der Begriff ist aus dem Deutschen abgeleitet und mit der Diaspora verbunden, zu der ich gehöre. Wir mischen Deutsch und B/K/S/M – Bosnisch, Serbisch, Kroatisch, Montenegrinisch. Zu Hause würden sie mich „Bauštelka“ nennen, weil Menschen aus meinem Land in Deutschland typischerweise auf dem Bau arbeiten. „Bauštele“ steht einerseits für diese Verbindung zweier Sprachen, die ich ständig benutze. Andererseits gehen meine Arbeiten ständig von einer Form in eine andere über, haben weder Anfang noch Ende. Ich habe den Begriff als eine Form von Methodologie übernommen und er spiegelt sich in meinem Material wider.
Was benutzt du konkret?
Einiges habe ich geerbt, zum Beispiel Rohre, die in Deutschland ausrangiert wurden, weil sie verrostet waren, und die mein Vater gekauft hat. Ich habe sie in mein Atelier gebracht, graviert und dann als Kunstobjekte ausgestellt. Manchmal leihe ich Dinge, manchmal kaufe ich sie.
Was bedeutet dir dieses Material?
Baustellenmaterial ist mir sehr vertraut. Seit den 1960ern sind Männer aus meiner Familie nach Deutschland gekommen, um auf dem Bau zu arbeiten. Ich selbst habe schon als Kind mit meinem Vater Fliesen gelegt. Die Klassenfrage spielt äußerlich wie innerlich hinein. Die Frage, wie ich es rechtfertigen kann, Künstlerin zu sein, beschäftigt mich sehr.
Du machst auch Zeichnungen und Performances, wie fügt sich das ein?
Wenn ich nicht weiß, was ich tue, zeichne ich. Und wenn ich es dann weiß, wird es zu einer Handlung, wie in der Serie „Builder’s Daughter“, in der ich ein Gerüst benutze, um durchs Fenster ins Museum zu gelangen. Auf diese Weise diskutiere ich die Zugänglichkeit von Kultur.
Warum machst du bei Goldrausch mit?
Nach mehr als zehn Jahren in Berlin weiß ich, dass das kein Zwischenstopp ist. Ich habe hier zwei Kinder bekommen, mein Mann ist hier, meine Familie, Freund:innen, mein Netzwerk. Von Goldrauch erhoffe ich mir, dass es mir hilft, weiter Wurzeln zu schlagen.
Interview: Beate Scheder