• Jahrgang
    2026
  • Ausstellung
  • Publikation
Jane Garbert
Foto: Majid Moussavi

Fünf Fragen an …

Jane Garbert (* 1988 in Berlin) studierte freie Kunst an der Universität der Künste Berlin bei Thomas Zipp und Christine Streuli. Sie interessiert sich für die Transformationsfähigkeit alltäglicher Materialien. Fotografisch und filmisch festgehaltene Beobachtungen löst sie aus ihrem funktionalen Zusammenhang und überführt sie in neue poetische Bildräume.
Garbert erhielt unter anderem den Förderpreis Junge Kunst sowie Stipendien der Dorothea-Konwiarz-Stiftung und der Stiftung Kunstfonds. Ihre Arbeiten wurden beispielsweise in der Galerie Vincenz Sala, bei feldfünf und in der Galerie Burster in Berlin sowie in der Structura Gallery in Sofia gezeigt. Im Sommersemester 2026 ist sie Lehrbeauftragte an der Technischen Universität Berlin im Fachgebiet Bildende Kunst.

Was verstehst du unter Poesie?

Poesie ist für mich stets mit einer Transformationsfähigkeit verbunden, mit Dingen, die sich als mehrdeutig erweisen. Das ist das poetische Potenzial, das ich suche: Dass Dinge zwar erscheinen, wie sie sind, in ihrer Funktionalität, aber zusätzlich noch eine Ebene aufweisen, die zärtlich, sinnlich oder narrativ ist.

Was wäre das zum Beispiel?

Ich arbeite schon seit ein paar Jahren an einer Serie zu Kabeln, die aus Decken hängen. Deren kreative Verschnörkelung ist mir schon immer aufgefallen. Im Prozess drehe ich sie um, dadurch sehen sie so aus, als ob sie wachsen würden und erhalten eine Art von Selbstständigkeit. Die Kabel-Arrangements stehen für einen Zwischenzustand, sind aber in sich schon perfekt, kleine humorvolle Gestänge, die Zuversicht ausdrücken. Die Serie heißt „Anabeki“, ein Palindrom von Ikebana. Jedes einzelne Pflänzchen ist auf Plexiglas gedruckt und in Revisionsklappen aus dem Trockenbau gefasst.

Wie wählst du solche Materialien aus?

Das ist etwas, worüber ich mir meinen Kopf zerbreche: Welches Material passt wozu? Was braucht das Bild oder die Skulptur? Ich suche nach materiellen Entsprechungen, Transparenz etwa steht für Flüchtigkeit. Andere Arbeiten drucke ich auf Stoff, um Sinnlichkeit auszudrücken. Oder es entstehen Skulpturen aus Glas, da geht es dann um Fragilität.

Wenn wir beim Beispiel der Kabel bleiben: Suchst du oder findest du sie?

Sie fallen mir einfach auf. Ich gehe nicht auf die Jagd, sondern habe einen wachen Blick. Diese Dinge werden normalerweise kaschiert oder verdeckt, bei mir stehen sie im Fokus. Inzwischen schicken mir schon Freundinnen Fotos von Kabeln oder von Absperrbändern, die ich in einer weiteren Serie male.

Warum machst du bei Goldrausch mit?

Ich hatte ein Bedürfnis nach Austausch mit anderen Künstlerinnen und den Wunsch nach einer Art von Struktur. Es gab ein paar Sollbruchstellen, etwa meine Webseite, auch ein schöner Katalog hat mir bislang gefehlt. Beides entsteht während des Goldrausch-Jahres.

Interview: Beate Scheder