Fünf Fragen an …
Rahel grote Lambers (* 1996 in Eschwege) studierte bildende Kunst an der HFBK Hamburg bei Rajkamal Kahlon und Simon Denny (M.F.A. 2024) sowie an der Universitat de Barcelona. Ihre Praxis umfasst Malerei, Skulptur und Installation. Sie setzt sich mit politischen Ideologien, deren Narrativen und visuellen Strategien auseinander. Ihre Arbeiten wurden unter anderem im Kunstverein Gastgarten in Hamburg und in der VUNU Gallery Košice gezeigt. 2025 stand sie in der Kategorie Malerei für den Kunstpreis Junger Westen (Kunsthalle Recklinghausen) auf der Shortlist, 2024 wurde sie für den Bundeskunstpreis für Studierende nominiert und 2022 erhielt sie den Ursula-Schneider-Preis. Sie ist Teil des Künstler*innenkollektivs otc – Observant Thick Conversation.
Du beschäftigst dich mit politischen Ideologien, insbesondere mit dem sogenannten Rechtsruck. Wie kam es dazu?
2020/2021 sind vermehrt Heimatbilder in meinen Instagram-Feed gespült worden: Frauen in schönen Kleidern, die über Wiesen laufen oder Ähnliches. Auf den ersten Blick harmlos, aber einige davon hatten Hashtags wie #heimatliebe und führten zu Profilen, die man der Neuen Rechten zuordnen kann. In meiner künstlerischen Auseinandersetzung habe ich anfangs die Inhalte ausgedruckt und bestickt oder verpixelt. Mit der Zeit ist es malerischer geworden. Die Malerei bietet mir in der Auseinandersetzung mit Räumen eine andere Perspektive.
Du malst leere Sitzungssäle oder Besprechungsräume. Was genau?
In einer meiner Serien geht es um Räume, in denen sich konservative Thinktanks treffen – vom libertären Spektrum bis hin zu Thinktanks, die faschistische Positionen vertreten. Mich hat interessiert, wo diese Ideologien herkommen. Als Untergrund dienen mir Stoffe, die als Kontextebene fungieren, zum Beispiel benutze ich Nadelstreifenstoff oder Zopf-Strickmuster.
In der Installation kommen Objekte dazu. Welche sind das?
Das Rednerpult gehört in solchen Räumen dazu. Dessen unterschiedliche Ästhetiken fand ich sehr interessant. Einige habe ich nachgebaut, zum Beispiel die Rednerpulte der US-Thinktanks Heritage Foundation und Americans for Prosperity.
Wie viel Kontext brauchen deine Installationen?
Zugänglichkeit ist ein wichtiges Thema in meiner Arbeit. Die Betrachtenden nehmen unterschiedlich viel aus einer Installation mit. Mit einem Begleittext kann ich die Referenzen deutlicher machen, oder ich erzähle selbst etwas dazu.
Warum machst du bei Goldrausch mit?
Es gibt nicht viele vergleichbare Postgraduiertenprogramme, die Künstlerinnen gezielt dabei unterstützen, eine künstlerische Praxis langfristig organisiert und nachhaltig zu gestalten. Am wichtigsten für mich ist der Austausch mit den anderen Künstlerinnen, der kontinuierliche Dialog über ein Jahr und hoffentlich darüber hinaus.
Interview: Beate Scheder