Fünf Fragen an …
Wiebke Mertens (* 1997 in Suhl) ist figurative Malerin. Sie studierte freie Kunst an der Hochschule für Künste Bremen. Wiebke Mertens’ Malereien bilden Körperteile, Gesten sowie Sequenzen aus Interaktionen ab. Sie verhandeln den körperlichen Ausdruck, die Inszenierung von Körpern und wie diese zueinander in Beziehung stehen. 2024 wurde sie mit dem Karin Hollweg Preis und dem Paula Modersohn-Becker Nachwuchspreis ausgezeichnet. Ihre Werke wurden unter anderem im Gerhard-Marcks-Haus in Bremen, im Westwerk in Hamburg, in der Werkschauhalle der Spinnerei Leipzig und der Kunsthalle Wilhelmshaven ausgestellt. Das Paula Modersohn-Becker Museum in Bremen zeigt 2026 ihre erste institutionelle Einzelausstellung.
Auf deiner Malerei sind Körper oder auch Körperteile zu erkennen. Wen sehen wir da?
Die Körper, die ich male, sind Körper, die mir nahestehen. Oft ist es mein eigener Körper oder es sind die Körper von Freund:innen oder Partner:innen. Soziale Beziehungen sind sehr wichtig für meine Arbeiten. Menschen haben immer eine bestimmte Art zu gestikulieren oder Eigenheiten, die in ihre Körper eingeschrieben sind. Diese versuche ich in die Malereien zu übersetzen.
Versuchst du, menschliche Nähe darzustellen?
Nicht nur, auch die Schwierigkeiten, auch eine Härte, die mit sozialen Begegnungen einhergeht. Es ist immer ein Wechselspiel aus Nähe und Distanz, aus Annäherung oder Abweisung. Ich male nicht vom Modell, sondern von Fotovorlagen. Das bedeutet, es finden vorab immer Fotosessions statt, in denen ich mit den Personen die Haltung, die Szene und die Bekleidung bespreche, die ich mir vorstelle.
Die Posen und Ausschnitte, die du wählst, sind oft nicht sehr vorteilhaft. Ein Bild zeigt etwa einen Schweißfleck. Was willst du damit ausdrücken?
Ich versuche nicht, eine besonders unvorteilhafte Pose zu finden, sondern eine, die es eben auch gibt. Diese möchte ich der Bilderflut von sehr vorteilhaften oder gefestigten Darstellungen gegenüberstellen.
Wie entstehen deine Bildformate?
Ich finde es interessant, wenn die Motive den Bildraum bestimmen und nicht die Leinwand das Format vorgibt. Die Körperausschnitte sind auf den Bildern etwas überlebensgroß übersetzt, durch die Zweidimensionalität wirkt das im Raum so, als entspräche ihre Größe der einer anderen Person. Ich male in Öl, aber die meisten Arbeiten sind keine Leinwände, sondern Papierzuschnitte. Dadurch kann ich die Formate genau an die Körperteile anpassen.
Warum machst du bei Goldrausch mit?
Bevor das Programm begonnen hat, habe ich mir vor allem ein tolles Netzwerk erhofft. Außerdem lerne ich bei Goldrausch, wie ich mich strukturieren kann, um diesen Beruf langfristig und nachhaltig auszuüben.
Interview: Beate Scheder