Fünf Fragen an …
Marie Salcedo Horn (* 1995) studierte bildende Kunst an der Universidad Nacional de las Artes in Buenos Aires und an der Universität der Künste Berlin, wo sie 2023 ihr Studium als Meisterschülerin von Christine Streuli abschloss. In ihrer multimedialen Arbeit untersucht sie das Verhältnis des Menschen zum Mehr-als-Menschlichen. Die Möglichkeit, ihre Arbeiten zu berühren, spielt dabei eine zentrale Rolle. Sie erhielt das Eberhard Roters-Stipendium für Junge Kunst, das Bernhard-Heiliger-Förderstipendium für Bildhauerei und war Residenzstipendiatin des Ceramic Artist Exchange – Tandem Programm in Neumünster. Ihre Werke wurden unter anderem im Kunsthaus Dahlem und im Museum für Fotografie in Berlin und im Museum Moderner Kunst Wörlen Passau gezeigt.
In vielen deiner Arbeiten geht es um Steine. Wie kommt das?
Ich bin mit Steinen aufgewachsen. In meiner Familie wurden sie schon immer gesammelt. Für mich sind Steine außerdem eine Erinnerung an unser Verständnis von Zeit. Wenn man über die Zeitlichkeit von Steinen nachdenkt, nehme ich ein Verrücken wahr: Die Wahrnehmung verschiebt sich kurz und vieles, was uns im Alltag passiert, wird nichtig oder klein.
Arbeitest du mit echten Steinen?
Die Steine, die ich in den Performances benutze, stammen meist aus der Uckermark. Es sind Findlinge, die mit der letzten Eiszeit aus Skandinavien in die Region gespült wurden. Ich forme Steine aber auch ab, dafür benutze ich Keramik oder ungebrannten Ton.
Wie „benutzt“ du die Steine?
Eine wichtige Arbeit von mir ist die Performance „Trying to be a Stone“. Dafür lade ich Menschen ein, sich einen Stein auf den Körper zu legen und sich diesem körperlich anzunähern. In meiner Kunst geht es immer um eine körperliche Erfahrung – die Objekte sollen berührbar sein. Ich beschäftige mich mit Mensch-Natur-Verhältnissen. In Mitteleuropa vorherrschende Naturkonzepte sind von einem Dualismus zwischen Natur und Kultur oder Körper und Geist geprägt. Mit haptischen Erfahrungen versuche ich, diesen aufzubrechen.
Was gefällt dir an Keramik?
Sie kommt aus der Erde und reagiert auf Berührung, sie wird fast zu einem Gegenüber. Gleichzeitig finde ich es interessant, mich in einer langen künstlerischen Tradition zu befinden. Oft brenne ich den Ton nicht, sodass er wiederverwendet werden kann. Das Material speichert immer etwas. Vielleicht ist das nicht direkt sichtbar, aber ich mag die Vorstellung, dass es mit Orten oder Erfahrungen angereichert wird.
Warum machst du bei Goldrausch mit?
Ich hatte das Gefühl, noch etwas Unterstützung und Begleitung zu benötigen, um mich in der Kunstwelt zurechtzufinden. Auch dabei, eine Haltung zur Kunstwelt zu entwickeln. Es ist sehr bereichernd, viele verschiedene Menschen kennenzulernen und mitzubekommen, wie sie darüber denken.
Interview: Beate Scheder