Fünf Fragen an …
Daria Syvakos (* 1988 in Donetsk, UA) ist Künstlerin und Forscherin. Sie studierte Film und Neue Medien an der Universität der Künste Berlin bei Prof. Hito Steyerl und hat einen Masterabschluss in Wirtschaftswissenschaften. Ihre Praxis, in der sie untersucht, wie Infrastrukturen und Technologien Erinnerung, Sichtbarkeit und Lebensbedingungen prägen, umfasst Film, Installation und simulierte Umgebungen. Ihre Arbeiten wurden unter anderem auf der Ars Electronica in Linz, der Kyiv Biennial und der documenta 15 gezeigt. Syvakos arbeitete als Forschungsmitarbeiterin am Staatlichen Institut für Probleme der Künstlichen Intelligenz in Donezk, sie war Fellow am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung und lehrt derzeit an der Universität der Künste Berlin.
Du verbindest Kunst und Forschung. Wie machst du das?
Meine Arbeit beginnt immer damit, dass ich Fragmente sammle: Archivbilder, Dokumente, technische Daten. Fast immer geht es dabei um Orte, die unzugänglich sind. Ich suche nach Belegen, analysiere und verarbeite sie auf meine Weise weiter. Ich fülle keine Lücken, sondern baue darauf ein spekulatives, anderes oder zukünftiges Narrativ.
Was könnte so ein unzugänglicher Ort sein, mit dem du dich beschäftigst?
Mich interessieren Infrastrukturen, insbesondere solche, die man als kritisch bezeichnet. Solche Infrastrukturen dienen der Ausübung von Macht und sind meistens zumindest teilweise unsichtbar. In meiner Arbeit versuche ich, Dinge, die verborgen sind, an die Oberfläche zu bringen. Aktuell arbeite ich zu geologischen Verbindungen zwischen Gewässern und Bergwerken im Zusammenhang mit kolonialer Gewalt, Extraktion und der Aneignung von Land.
Wie gehst du bei deiner Recherche vor?
Feldforschung ist meist nicht möglich, deshalb arbeite ich mit unterschiedlichen Technologien und Daten. Open-Source-Daten und Archive spielen dabei eine wichtige Rolle, ich mache aber auch eigene Berechnungen. Lücken schaffen Raum für meine Interpretationen und Vorschläge sowie für unterschiedliche Lesarten.
Welche Formen nimmt deine Kunst an?
Ich arbeite hauptsächlich mit Film, Installation und mit dem, was ich simulierte Umgebungen nenne. Damit meine ich digitale Räume, die ich modelliere, animiere und programmiere. Im Film kann ich mit verschiedenen zeitlichen Ebenen und auch auf nichtlineare Weise erzählen. Installationen und simulierte Umgebungen geben dem Ganzen eine räumliche Form, durch die man sich hindurchbewegen kann
Warum machst du bei Goldrausch mit?
Ich wollte lernen, wie ich über meine Arbeit in unterschiedlichen Formaten und für unterschiedliche Öffentlichkeiten sprechen kann, ohne dass sie an Spezifität verliert. Der Austausch in der Gruppe ist sehr hilfreich. Wir unterstützen uns gegenseitig und lernen voneinander.
Interview: Beate Scheder