• Jahrgang
    2026
  • Ausstellung
  • Publikation
Hyejeong Yun
Foto: Johannes Moeller

Fünf Fragen an …

Hyejeong Yun (* 1991 in Jecheon, KR) studierte an der Universität der Künste Berlin, der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig und am Chelsea College of Arts in London. Ihre multidisziplinäre Praxis basiert auf Archivforschung, Mikrogeschichte und Lokalität. Sie untersucht Kontinuitäten der kolonial-imperialistischen Matrix in politischer Ideologie, Care-Praktiken, im intergenerationellen Gedächtnis diasporischer Gemeinschaften und in der Normalisierung von Gewalt. Ihre Arbeiten wurden unter anderem in der Forever Gallery in Seoul, auf der Tokyo Biennale 2025, im Museum für Photographie Braunschweig, im Kunstverein Wolfsburg sowie auf Festivals wie AAIFF45 in New York, EMAF No. 35 in Osnabrück, 19th EXiS in Seoul und auf der Minikino Film Week 8 in Bali gezeigt.

Wie findest du deine Themen?

Meist beginnt meine Arbeit mit einem Gefühl, dass etwas nicht stimmt oder nicht zusammenpasst. Mein aktuelles Projekt ist eine Fortsetzung meiner Auseinandersetzung mit den Fortwirkungen des Kolonialismus in Ostasien. Ich komme aus Südkorea und habe einige Zeit in Japan verbracht und dort recherchiert. Dort leben koreanische Communities, deren Geschichte mit der japanischen Kolonialherrschaft, Migration, kolonialer Ausbeutung und Zwangsarbeit verbunden ist. Ich befrage sie zu familiären Erinnerungen und individuellen Erfahrungen.

Wie gehst du bei Recherchen vor?

Ich recherchiere vor allem vor Ort. Für meine Zweikanal-Videoinstallation „Where Water Remembers“ habe ich Interviews mit Mitgliedern koreanischer Communities in Japan geführt. Außerdem habe ich Museen und Bibliotheken besucht sowie Orte, an denen früher koreanische Dörfer existierten. Dabei habe ich darauf geachtet, alles zu sammeln – das Dokumentierte und das nur mündlich Überlieferte.

Wie wird daraus ein Kunstwerk?

Ich verfolge einen poetischen Ansatz. Dabei arbeite ich mit Metaphern – in der aktuellen Arbeit ist es Wasser, davor waren es der Elefant oder der Tiger als Bilder für Othering. Daher bezeichne ich meine Arbeiten manchmal als „Visual Poetry“. Aktuell zeige ich experimentelle Dokumentarfilme. Darin gibt es manchmal keinen linearen Handlungsstrang, sondern die Erzählung entwickelt sich entlang von Orten.

Welchen Unterschied macht es für dich, wo du ausstellst?

Wenn ich Arbeiten, die in Deutschland entstanden sind, in Asien zeige oder umgekehrt, entsteht eine interessante Dynamik, weil sich Allgemeinwissen und Bewertungen stark unterscheiden. Jede:r interpretiert auf andere Weise und stellt Verbindungen zum eigenen persönlichen oder politischen Hintergrund her.

Warum machst du bei Goldrausch mit?

Alle Künstlerinnen, die ich mag, haben bei Goldrausch mitgemacht. Viele meiner künstlerischen Mentor:innen haben mich politisch beeinflusst. Trotzdem habe ich mir gewünscht, darüber hinaus noch feministische und queere Netzwerke zu finde.

Interview: Beate Scheder