Millie Schwier

 

 

Porträt Millie Schwier, Goldrausch 2019

Fünf Fragen an …

Millie Schwier (geb. 1990 in London, Großbritannien) lebt und arbeitet in Berlin. Sie studierte Bildhauerei am Edinburgh College of Art und Zeichnung am Camberwell College of Arts in London.
Sie entwirft Skulpturen und Installationen mit einer engen Verbindung zur Architektur und zur Natur. Im Jahr 2017 wurde sie mit dem Bau des Pavillons für das jährliche InTransit Festival in Notting Hill, London, beauftragt. In Zusammenarbeit mit dem Architekten Nozomi Nakabayashi zeigte sie Arbeiten im Rahmen der Communal Knowledge Summer Show in der Showroom Gallery, London. Im Jahr 2013 baute sie mit Tom Clowney den Make Work Space in London, eine kollektive Werkstatt und einen Wohn-Arbeitsplatz.

Warum Skulptur?

Ich habe immer mit meinen Händen gearbeitet. Außerdem sind Materialität und Prozess wichtig für meine Arbeit. Skulptur bietet dafür breite Möglichkeiten.

Mit welchen Materialien arbeitest du?

Ein, zwei Jahre lang habe ich viel mit Erde gearbeitet, gemischt mit einem bisschen Gips. Diese Materialien geben mir die Möglichkeit, etwas Monumentales zu errichten, das mit der Idee eines Gartens spielt oder eine Form der Rückeroberung von öffentlichem Raum darstellt.

Oft sind Pflanzen Teil deiner Skulpturen. Warum?

Ich spiele mit dem Unterschied zwischen reproduktiver und produktiver Arbeit. Für meine Arbeit ist es wichtig, dass die Pflanzen weiterwachsen und die Arbeiten dadurch etwas Zyklisches, Reproduktives bekommen. Im Moment arbeite ich mit Färberwaid, der europäischen Indigopflanze. Wenn die Pflanzen gewachsen sind, will ich sie zum Färben benutzen. Die Pflanzen, die ich benutze, haben immer etwas mit Essen zu tun oder mit einem Prozess, der jetzt industrialisiert ist.

Du hast oft an öffentlichen Orten gearbeitet. Wie kam es dazu und warum machst du das?

Bei meinen Projekten mit Erde war es wichtig, dass sie im öffentlichen Raum stattfanden. Das hatte viel mit London zu tun, wo ich aufgewachsen bin. London verändert sich gerade stark. Als ich die Möglichkeit hatte, fand ich es seltsam, etwas Permanentes zu machen, was in Verbindung mit der Community steht, weil diese in fünf oder zehn Jahren meist nicht mehr dort wohnen wird. Ich wollte etwas machen, das öffentlichen Raum zurückfordert, aber nicht dauerhaft ist. Also habe ich einen Pavillon aus Bambus, Holz, Erde und Pflanzen gebaut, der nur für zwei Wochen bestand. Meine Arbeit hat viel mit Macht und Machtstrukturen zu tun. Ich suche nach neuen Wegen des Zusammenlebens, die das Gegenteil von Fortschritt und Macht repräsentieren.

Warum machst du bei Goldrausch mit?

Ich wohne erst seit anderthalb Jahren in Berlin. Mit Goldrausch möchte ich mein Netzwerk vergrößern und lernen, mit der deutschen Bürokratie besser zurechtzukommen

Interview: Beate Scheder
Foto: Stefan Korntner