Kate-Hers Rhee

 

 

Porträt Kate-Hers RHEE, Goldrausch 2018

Fünf Fragen an …

Kate-Hers Rhee wurde 1976 in Seoul geboren und ist in Detroit, Michigan aufgewachsen. An der School of the Art Institute of Chicago machte sie ihren Bachelor of Fine Arts. Anschließend studierte sie bei Julie Carson, Yong Soon Min, Bruce Yonemoto und Yvonne Rainer an der University of California, Irvine, wo sie ihren Master of Fine Arts erhielt. Sie hat zahlreiche Stipendien und Preise gewonnen, darunter Fulbright, DAAD, 1st Prize AHL Foundation, Jacob K. Javits Fellowship, MacDowell Residency Fellowship, Arbeitsstipendium des Berliner Senats und eine Puffin Foundation Förderung. Ihre Arbeiten wurden in verschiedenen Galerien und Institutionen ausgestellt, unter anderem in Berlin in der Galerie damdam im Koreanischen Kulturzentrum, in der SOMA Art Gallery, im Museum für Asiatische Kunst und in der Berlinischen Galerie; im Art Space One und im SEOGYO Arts Center for Experimental Art in Seoul und im British Museum in London. Zuletzt war sie in Gruppenausstellungen in den Pitzer College Art Galleries in Claremont und im Torrance Art Museum in California vertreten. 2009 gründete sie ihr Atelier in Berlin.

Zu deinen künstlerischen Medien zählen Sprache, Essen und Schönheitsideale. Wie kommt das?

Mich interessieren vor allem Identität und das Andere, also die sogenannte Fremdheit und wie diese in Sprache, Essen, und Schönheitsidealen betrachtet wird. Ich benutze diese drei Themen, weil sie einerseits für alle Menschen von größter Bedeutung sind und sich andererseits kulturelle Unterschiede darin besonders deutlich zeigen.

Was für eine Kunst entsteht bei deiner Auseinandersetzung mit dem Thema Sprache?

Beispielsweise habe ich in Langzeitperformances Deutsch und Koreanisch als Medien benutzt. Mit brachialer Gewalt habe ich versucht, Sprache, Kultur und Volk in drei Monaten zu verstehen. Natürlich ist das unsinnig, aber es war ein sehr ernsthafter Versuch. Als ich 2008 Deutsch gelernt habe, habe ich drei Monate lang nur Deutsch gesprochen und den Prozess mit einem Video-Tagebuch begleitet. 2016/17 habe ich das Gleiche in Korea mit Koreanisch wiederholt. Das hatte natürlich eine andere Bedeutung, weil ich koreanische Wurzeln habe.

Inwiefern ist deine Kunst von deiner Biografie geprägt?

Wenn man mein Oeuvre betrachtet, gibt es zwar viele Themen und Medien, aber in allen Arbeiten geht es letztlich darum, mich selbst zu verstehen. Seit über 20 Jahren arbeite ich mit meinen Körper und meinem Bild.

Welche Reaktionen willst du auslösen?

Jedes Projekt hat ein anderes Ziel oder einen anderen Gedanken. Die Reaktionen überraschen mich dennoch immer. Obwohl es schwierig ist, den gesamten Kontext meiner Arbeiten sofort zu erfassen, versuche ich ein körperliches und ästhetisches Erlebnis beim Betrachter zu erzeugen.

Warum machst du bei Goldrausch mit?

Als ich vor neun Jahren aus den USA nach Berlin kam, musste ich bei null anfangen, mit der Sprache, mit der Kultur, mit dem Netzwerk. Ich bin stolz auf das, was ich seitdem erreicht habe, aber mir fehlte eine Verbindung zu Frauengruppen. Für mich als feministische Künstlerin ist eine solche Gruppe sehr wichtig, um sich gegenseitig in der von Männern dominierten Kunstwelt zu unterstützen.

Interview: Beate Scheder
Foto: Michael Hurt ©2017